Fünf Fragen zur Reclaim Power Tour

1.) Was ist das Ziel der Reclaim Power Tour?

Die Reclaim Power Tour besucht verschiedene Initiativen, die in Energiekonflikte verwickelt sind: z.B. die zwei Klimacamps in den großen deutschen Braunkohleabbaugebieten, Anti-Atom-Gruppen im Wendland, neugegründete Bürger_innen-Initiativen gegen Fracking, das Steinkohlekraftwerk in Mannheim. Außerdem halten wir an Orten, an denen Menschen gegen die extreme Verschwendung von Ressourcen kämpfen: S21 in Stuttgart, Schlachthof Wietze, Gefechtübungszentrum (GÜZ) in der Altmark. An anderen Stationen lernen wir Gruppen kennen, die Alternativen zum herrschenden Energie- und Wirtschaftssystem aufbauen: beim Lebensgarten Steyerberg, am Ökodorf Sieben-Linden, bei einer Gärtnerei, die nach den Prinzipien der solidarischen Landwirtschaft arbeitet.

Wir möchten diese vielen, verschiedenen Brennpunkte auf unserer Route nicht nur geographisch verbinden. Wir wollen die einzelnen Gruppen zu einer großen, sozialen Bewegung zusammenschließen, die Widerstand gegen die Zerstörung unserer Lebengrundlagen leistet und für eine ökologische und gerechte Energieversorgung eintritt.

2.) Wie sind wir auf den Namen gekommen?

Re-claim Power bedeutet soviel wie „Holt euch die Energie zurück!“ aber auch „Fordert die Macht für euch!“ Das heißt, dass wir die Kontrolle über unsere Energieversorgung beanspruchen. Und damit auch die Macht, die bis jetzt zentral bei den großen Stromkonzernen liegt. Weil wir unsere Energie nicht nur ökologisch und dezentral erzeugen wollen, sondern sie auch selbstbestimmt und gerecht verteilen müssen.

Wir knüpfen mit dem Begriff an verschiedene internationale Bewegungen an: z.B. Reclaim the Streets – eine Aktionsform, bei der es um das gemeinschaftliche Aneignen des öffentlichen Raums geht, oder Reclaim the Fields – ein Netzwerk von Landbesetzer_innen und Landwirtschaftskollektiven.

3.) Wie läuft die Radtour ab?

Am 21. Juli startet die Nordroute der Reclaim Power Tour auf dem Lausitzcamp in Brandenburg. Mitte August radeln außerdem zwei Gruppen in Freiburg bzw. Stuttgart los, die in Mannheim aufeinanderstoßen werden. Am 23. August treffen sich Nord- und Südroute in Köln und legen die letzte Etappe zum Klimacamp in Rheinland gemeinsam zurück.

Die Radelgruppen übernachten in Zelten oder in Autonomen Zentren. An den meisten Stationen kochen befreundete Initiativen für uns, aber die Tour hat auch eine eigene Vokü-Ausrüstung, mit der wir uns versorgen können. Abgesehen vom Radfahren gibt es ein reichhaltiges Programm, das wir gemeinsam mit den gastgebenden Lokalgruppen geplant haben: Aktionen, Workshops, Besichtigungen, Gedankenaustausch, Öffentlichkeitsarbeit… Die Tour ist offen für alle Menschen, ob jung oder alt, erfahren oder neu im Thema, langsam oder schnell – auch wenn ihr nur kurze Abschnitte mit uns mitradeln wollt.

4.) Warum seid ihr per Rad unterwegs?

Wir fahren Fahrrad, weil:

- wir uns für die Bewegung bewegen wollen.

- Radfahren eine umwelt- und klimafreundliche Art der Fortbewegung ist.

- weil Radfahren für Freiheit und Unabhängigkeit steht: Es kostet kein Geld und macht keinen Lärm. Wir brauchen keine Energie außer unseren eigenen Kalorien und müssen nicht im Stau stehen. Beim Radfahren bestimmen wir den Fahrplan selbst und sind deutlich schneller als zu Fuß.

- weil wir Entschleunigung leben wollen. Eine Fernreise quer durch Deutschland braucht Zeit. Wir wollen auf Tuchfühlung gehen mit dem Land und dem Wetter und wollen die Menschen, die entlang unserer Strecke in politische Auseinandersetzungen verwickelt sind, kennenlernen und ihre Anliegen ernst nehmen.

- weil in einen Bus nicht alle reinpassen, die mitfahren wollen.

- weil motorische und kognitive Gehirnaktivitäten sich gut ergänzen: Ideen und Visionen für eine zukunftsfähige Gesellschaft entstehen in der Bewegung. Beim Fahren ändern wir unsere Perspektiven, sehen Neues, lernen andere Gruppen und deren Positionen kennen, sind im ständigen Austausch darüber. Und denken radelnd nach. Frei nach den alten Griech_innen praktizieren wir daher: Pedalipatie.

5.) Wer organisiert die Reclaim Power Tour?

Hinter der Organisation der Radtour steht das Netzwerk „Energiekämpfe in Bewegung“ (EkiB). In diesem Netzwerk haben sich im Januar 2012 mehrere Gruppen und Einzelpersonen zusammengeschlossen, die zu energiepolitischen Themen arbeiten, mit dem Ziel, die unterschiedlichen Kämpfe stärker zu verknüpfen. Für die Reclaim Power Tour haben sich Arbeitsgruppen gebildet, die per e-mail-Verteiler und Telefonkonferenz miteinander kommunizieren. Hinter den beteiligten Gruppen stehen weder Vereinstrukturen noch hauptamtliche Ressourcen.

Das Netzwerk „Energiekämpfe in Bewegung!“ setzt sich ein für eine global gerechte, demokratisch kontrollierte, soziale und ökologische Energieversorgung ein – auch über den Zeitraum der Tour hinaus (siehe auch http://ekib.blogsport.eu/author/ekib/)

Hier findet ihr eine Liste von einigen Gruppen, die an der Organisation der Tour beteiligt sind. Eine ausführlichere Liste steht im Aufruf.

-        ausgeCO2hlt – die Kampagne für den sofortigen Braunkohleausstieg. Die Gruppe versteht sich als offene Aktions- und Vernetzungsplattform, auf der Menschen zusammenkommen, um eine Bewegung gegen den Braunkohleabbau im Rheinischen Braunkohlerevier aufzubauen. http://www.ausgeco2hlt.de/

-        gegenstrom berlin. Die Gruppe besteht aus einer offenen Vernetzung von KlimaaktivistInnen mit unterschiedlichen Hintergründen und Perspektiven. Sie will in den herrschenden Klimadiskurs intervenieren, durch Artikel, Diskussionen, Workshops und eine widerständige Praxis. http://www.gegenstromberlin.net/

-        EKiB-Gruppe Freiburg: eine Gruppe, die die Südroute der Reclaim Power Tour organisiert.

-        Energie, Klima, Umwelt AG von Attac: Kleiner aber feiner Teil des großen Netzwerkes. Eine Gruppe, die thematisch an der Schnittstelle zwischen Globalisierung und Ökologie arbeitet, nach dem Prinzip: es gibt keine soziale Gerechtigkeit ohne ökologische Gerechtigkeit. Und umgekehrt.  http://www.attac-netzwerk.de/ag-eku/

-        Klimagerechtigkeit Leipzig: ist eine linke, akti­ons­ori­en­tierte und basis­de­mo­kra­ti­sche Gruppe, die sich mit Energie- und Kli­ma­the­men beschäftigt. Es gibt sie seit 2008, sie haben u.a. Kli­ma­camps mit­or­ga­ni­siert und zu den Pro­tes­ten anläss­lich des COP15 in Kopen­ha­gen mobi­li­siert. http://klimagerechtigkeit.blogsport.de/ueber-uns/

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