Dienstag, 20 August – von Sankt Goar nach Koblenz – Südroute

Dieser Bericht soll einmal aus der Perspektive von denjenigen geschrieben werden, ohne die diese Tour nicht möglich wäre: Die Fahrräder. Doch zuvor noch ein paar Worte aus menschlicher Perspektive: Mit zwei Gästen, die uns für einen Tag begleitet hatten und einer Mitfahrerin, die uns einen Tag verlassen hatte und nun zurückkehrte, kann man sagen, dass die Anzahl der Mitfahrenden sich heute wenig veränderte. Punkt Nr. 1 hierzu: Tschüss ihr beiden. Schade, dass ihr nicht weiter mitkommt. Punkt Nr. 2: Schön, dich wieder unter uns zu haben!

Doch nun zu den Fahrrädern.

Am Morgen standen die Fahrräder beieinander. Einige wurde noch umgedreht und mit Werkzeug bearbeitet (es kitzelte immer so wenn ein Schraubenzieher ihre Ketten einstellten und Reifen aufgepumpt wurden). Und so wollte auch das Tandem fit gemacht werden. Es freute sich, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Und beim losfahren war es sich sicher: es war prima in Schuss.

Doch bald schon fühlte es sich unruhig. Irgendetwas stimmte nicht. Mit jedem Meter wurde es ihm deutlicher: Da war was ganz faul. Und als seine Aufsassen dann schalten wollten passierte es. Nicht etwa flog nur die Kette ab, nein, die gesamte Schaltung der vorderen Ritzel verabschiedete sich. Das Tandem war schockiert. So schlimm hatte es sich noch nie etwas gebrochen. Was würde nun passieren? Sollte das heißen, dass das Tandem die Tour verlassen musste? Vor so einem Moment hatte es ihm seit langen gegrault. Es war klar, dass die Aufsassen dem Tandem hier nicht weiterhelfen konnten. Also was tun? Es war ratlos. Es wollte fahren und fahren bis es nicht mehr konnte, einfach diese schreckliche Situation vergessen. Aber wie, ohne funktionierende Schaltung? Alles wurde schwummerig vor seinen Augen, die Welt um es hin drehte sich. Da verlor es das Bewusstsein.

Als es wieder zu sich kam merkte es, dass in der Zwischenzeit mehrere Hände sich seiner Lenkstange angenommen hatten. Langsam wurde ihm klar, dass es zu einem Fahrraddoktor gebracht wurde. Immer noch benommen und blinzelnd merkte es, dass es von allen Seiten mit Schraubenziehen und Heckenschneidern bearbeitet wurde. Ängstlich doch mit neuer Hoffnung wurde es ihm wieder schwarz vor seinen Scheinwerfern. Als es von einem sanften rütteln wach wurde und an seinem Rahmen herabsah, bemerkte es eine brandneue Schaltung über seinen Zahnrädern hängen – und unter seinen Rädern flog die Straße vorbei. Mit neuem Enthusiasmus warf es sich mehr als je zuvor ins Zeug, seine Aufsassen ans Ziel zu bringen. Und schon bald hatte das Dreiergespann den Rest der Gruppe eingeholt.

In der Zwischenzeit hatten die anderen Fahrräder sich schon weiterbewegt. Sie fuhren am Rhein entlang. Das Wetter war schön und die Aussicht genau wie Fahrräder es liebten: Wenige Autos (die stanken sowieso immer so) und viel Asphalt auf dem sie Glücklich ihre Reifen drehen ließen. Und so erreichten sie schon bald ihr Pausen Ziel: Ein zentraler Platz in einem kleinen Ort am Rhein. Erschöpft aber Glücklich sahen sie zu, wie ihre Aufsassen diese tolle Fotoausstellung aufstellten, und vorbeigehenden Interessenten die Reclaim Power Tour und das Klimacamp näher brachten. In ihrer Euphorie hinterließen die Fahrräder noch eine kleine, klebende Botschaft an einem RWE Energiepunkt und machten sich dann, von Gitarrenmusik begleitet und um viele Flyer leichter auf in Richtung Koblenz…

Kurz vor der Stadt kamen noch andere Fahrräder dazu, die die Tour durch Koblenz und in eine kleine Gartenlaube führten, wo alle herzlich empfangen wurden. Und ihre Aufsassen unterhielten sich, lachten und wirkten entspannt. Bevor die Fahrräder einschliefen, hörten sie noch das Reden von einer Fahrraddemo die am nächsten Tag folgen sollte. Und so knipsten sie ihre Scheinwerfer aus, voller Vorfreude auf den nächsten Tag.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>