Bonn – Köln: die Reclaim Power Tour vereint

Es war der Tag, den wir alle herbeigesehnt hatten seit wir uns in Freiburg, Stuttgart oder einem der vielen Orte auf unserem Weg auf das Fahrrad gesetzt hatten. Heute würden wir endlich die Menschen der Nordroute kennenlernen, die so viele ähnliche und gleichzeitig so viele unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. Wir würden in Köln auf sie treffen, ein ausgebreitetes Programm durchlaufen und dann abends im Kanuclub Neptun die Chance haben uns auszutauschen, kennenzulernen und gemeinsam dem nächsten Tag, dem Weg Richtung Klimacamp entgegenzufiebern. Es hörte sich schön an.

Die Realität sah leider anders aus.

Der Morgen im Haus Oskar-Romero war ausgelassen. Am Vortag ereilte uns die frohe Botschaft, dass das Klimacamp nach so vielen Komplikationen nun doch (fast) normal stattfinden sollte. Außerdem gab es ein hervorragendes Frühstück, und sowieso verlief alles nach Plan. Demenstprechend pannenlos ging es dann auch nach Köln und schon bald fand sich die Karawane am Rhein wieder, wo sie die letzten Meter als Südroute bestritt.

Den feierlichen Moment hatten sich dann viele als feierlicher vorgestellt. Wir platzten mitten in einen Vortrag eines Professors, der sich nur sehr ungern unterbrochen sah – stille Freude und neugierige Blicke waren dann auch alles, was erlaubt wurde. Als sich dann um eine Pause bemüht wurde kam es dann doch noch zu einer etwas lauteren Freudenbekundung. Doch viel Zeit, um sich auszutauschen blieb nicht. Sofort ging der Vortrag weiter und die inzwischen nahezu 50 Mensch starke Truppe bewegte sich zu einer Wiese am Rhein, wo ein Picknik vorbereitet wurde. Und kaum war die Nord/Süd Karawane dort angekommen, kaum hatten sich ihre Mitglider sattgegessen, ging es auch schon weiter zum nächsten Vortrag. Die Kölner_innen hatten sich viel Mühe mit dem Programm gegeben. Nach einem kleinen und eher ungeplanten Abstecher in die Eingangshalle des Verwaltungsgericht Köln, wo die Reclaim Power Tour lautstark ihre Meinung zur Alltagsrepression gegen den politischen Protest kundtat, fanden wir uns vor einem politisch angehauchten (und zum Glück noch nicht verbotenen) politisch angehauchtem Puppentheater über Omas Haus und Herrn irRWEg wieder.

Und dann kam die Meldung…Nach allem hin und her gab es doch wieder Probleme auf dem Klimacamp. Sofort wurden alle restlichen Programmpunkte aufgeschoben und die Gruppe traf sich zu ihrem ersten Plenum. Die vollständige Info: Während die Gemeinde Infrastrukturzelte auf der Obswiese aus dem Urteil des Verwaltungsgerichts Köln als genehmigt sah, war die Polizei anderer Meinung. Zelte hätten dort nichts zu suchen und sollten entfernt werden. In anderen Worten: die Polizei hatte zwar die Möglichkeit, sich an die Interpretation der Gemeinde zu halten, hatte aber offensichtlich die Intention, es den AktivistInnen so schwer wie Möglich zu machen, ihre Meinung zu äußern – sie wählte zum Unverständnis aller die Eskalation. Es gab zwar noch einen Acker neben der Obstwiese, der genutzt werden durfte (nicht weil die Polizei nett war, sondern weil der Acker Privatbesitz ist). Doch wie sollten die mehreren hundert Aktivist_innen dort Platz finden, mal ganz abgesehen von der Frage wie die weiteren mehreren Hundert, die später für das Reclaim the Fields Camp anreisen würden unterkommen sollten? Auf dem Camp in Manheim, so kam die Meldung, wollten die bereits anwesenden Aktivist_innen für die Obstwiese kämpfen.

Die Menschen der Reclaim Power Tour standen also vor der Entscheidung: Sollten wir die Leute in Manheim unterstützen? Würde das überhaupt etwas bringen? Sollte man dafür die Tour spalten, die sich eben erst, nach 5 Wochen Fahrt und so vielen Kilometern, getroffen hatte?

In einem emotionalen Plenum kam es dann zur Entscheidung. Die Tour wurde gespalten. Ein Teil fuhr mit dem Zug in Richtung Manheim und ein anderer blieb wie geplant in Köln zurück. Und so endete das lang ersehnte aufeinandertreffen der Reclaim Power Tour. Mit Auseinanderbrechen.

Irgendwann am Abend kam dann auch der Anruf aus Manheim. Alles war ok. Die Veranstalter_innen hatten es geschafft die Repressionstriebe der Polizei erseinmal zu besänftigen indem sie einige der Zelteabbauten. Und so war ein Teil der Tour in Köln und ein anderer in Manheim. Und alles war friedlich.

One thought on “Bonn – Köln: die Reclaim Power Tour vereint

  1. Nun ja. Am Samstag startete man mit 35 Leuten und auf die schonvorausgefahren RPT Fahrer samt BUNDjugend Tour traf man in SIndorf. Die letzten 8km fuhr man mit 60 Leuten.

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